Das Business & Marketing-Schlaraffenland: USA
Wie weit Amerika beim Thema Marketing, Tools und Geschwindigkeit dem DACH-Raum voraus ist...
Ich hatte die letzten Wochen die Möglichkeit, mit einem Kunden aus den USA ein gemeinsames Projekt zu starten und dabei auch ein paar bestehende Kunden von ihm mitzubetreuen bzw. zu übernehmen.
Dabei konnte ich mich recht tief in alle möglichen Tools und Setups reinfuchsen und so ein bisserl analysieren, wie Marketing, Ads, Automations & Co. dort bisher abgelaufen sind.
Und bist du deppert... das hat mir mal wieder gezeigt, wie rückschrittlich und unternehmerfeindlich bei uns im DACH-Raum einfach alles ist... ich mein, eh klar, keine Überraschung, wir sind ja alle Unternehmer hier und wissens wie's läuft, aber wenn man's so direkt miteinander vergleichen kann, dann fragt man sich schon, was einen im DACH-Raum bzw. in der EU überhaupt noch hält und wie man in einer globalisierten Welt damit noch wettbewerbsfähig bleiben soll...
USA: Im Marketing min. 2-3 Jahre voraus
Bei den Amis ist echt jedes Pimperl-Geschäft, jeder Saftladen digital besser aufgestellt als 95% unser "innovativen" Unternehmen.
Grundsätzlich gibt's dort mal einen anderen Bezug zu Marketing. In den USA ist jedem Unternehmen klar: da gehört Geld reininvestiert und das ist einer der wichtigsten Wachstumskanäle. Vom kleinen Eissalon, übers HVAC (HKLS)-Unternehmen bis zum Anwalt.
Alle machen dort Marketing.
Keiner verlässt sich nur auf Empfehlungen oder Mundpropaganda. "Marketing", niemand hat Angst vor Wachstum und man ist dort generell sehr risikofreudig. Und Social Media Marketing heißt dort auch nicht, zwei mal im Jahr einen organischen Post auf der FB-Seite zu machen. Nein, wir reden hier von richtig durchdachten Automations, Nurture Sequences, Funnels, AI Tools und natürlich jede Menge Ad Spend.
Das generelle Kompetenzlevel der Kunden liegt auch weit, weit über dem durchschnittlichen DACH-Unternehmen hierzulande. Dort ist es als Agentur/Dienstleister tatsächlich ein Austausch auf Augenebene mit dem Kunden. CEOs werden strategisch in die Arbeit der Agentur miteinbezogen. Es werden gemeinsam Konzepte entwickelt. Die Performance analysiert und nächste Schritte eingeleitet. Der Kunde ist jederzeit informiert, kennt seine Kennzahlen, kann die interpretieren und "mitreden".
Bei uns habe ich oft den Eindruck, dass abseits von uns Agenturen & Online-Unternehmen, niemand wirklich was vom Marketing wissen will und in den KMUs niemand auch nur den Hauch einer Ahnung hat.
Mir fallen dazu zig Beispiele ein... man möge sich z.B. mal die durchschnittliche Website eines Installateurs/Klemptners ansehen - das sagt eigentlich eh alles. Oder du kannst ja mal einen Steuerberater fragen, wie sein Lead Gen Funnel aussieht... lol.
Die KMUs bei uns haben einfach keinen Plan von Marketing. Das was am ehesten gemacht wird, ist ein bisschen halbherziges Branding ohne messbare Resultate. Hier mal eine Awarenesskampagne, dort mal einen Beitrag boosten und sich über viele Impressionen freuen. Das ist meiner Erfahrung nach der Status Quo.
Deshalb gibt's bei uns am Markt auch so viele Agenturen, die mit absoluter Scheißqualität "durchkommen" und Kunden nach Strich und Faden verarschen können, ohne dass das jemals wer in den Unternehmen hinterfragen oder kritisieren würde.
Wenn jemand das, was bei uns "Standard" ist und was "hochpreisig" verrechnet wird, einem amerikanischen Kunden anbieten würde, wäre er schneller wieder gefired als er "aber unsere tolle Neuromarketing-Methode" sagen kann.
USA: Signifikant mehr Budget & easy going
Der Amerikaner weiß außerdem: nur wer Geld ausgibt, kann auch Geld verdienen. You gotta spend money to make money.
10 bis 30% seines Umsatzes in Marketing zu stecken ist dort völlig normal. Jedes kleine KMU kann ohne großes TamTam ein paar tausend Dollar Werbebudget locker machen. Du kannst ja gerne mal beim lokalen 0815 KMU deines Vertrauens fragen, was die so für Marketing ausgeben. Da sind oft 500 EUR für das Trikotsponsoring der U15 des Pampa-Fußballklubs das höchste der Gefühle...
Ich würde mir das Mindset der US-Unternehmen wirklich gerne auch für unseren Markt wünschen.
Sicher, nur Geld für Marketing auszugegeben löst wahrlich nicht alle Probleme. Aber mein Gott, wegen ein paar Tausend EUR Ad Spend, braucht man sich wirklich nicht so anscheißen, wie in den Geschäftsführungen dieses Landes üblicherweise gemacht wird...
Das bringt mich auch gleich zu einem weiteren Punkt: Geschwindigkeit.
In unserem Kulturraum dauern Entscheidungen absolut ewig.
Je größer das Unternehmen, umso schlimmer.
Angebote gehen erstmal an die Rechtsabteilung. Dann wollen plötzlich 7 Leuten ihren Senf dazugeben. Dann kommt irgendso ein DGSVO-Heini aus seinem Loch gekrochen und erklärt, wie böse nicht Meta ist und das ein Pixel mal überhaupt nicht drin ist.
Wenn dann wider Erwarten ein Marketing-Projekt doch durchgewunken wird, steht schon die Corporate Marketing-Lady vor der Tür und erklärt dir, dass das Logo 14px größer sein muss. Rollt die Wirtschaft wieder in eine Rezession, wird das Budget fürs Marketing als Erstes gestrichen und alles wieder eingestampft. Und deine Rechnungen? Die versumpern erst mal 2 Monate in der Buchhaltung, bis du nach dem dritten freundlichen Erinnern endlich mal bezahlt wirst.
In den USA geht's einfach viel schneller & einfacher. Du hast nen Call, du schickst den Zahlungslink, es wird direkt die Zahlungsmethode hinterlegt und danach geht's los. Oft komplett ohne Vertrag, nix. Einfach die Kreditkarte mit $8k/Monat belasten und let's fucking go.
So macht Business einfach viel mehr Spaß, oder?
An der Stelle aber auch ein kleiner Downside von doing business in the US:
Wenn der Kunde unzufrieden ist oder irgendwas nicht passt, dann fordert der auch gnadenlos sein Geld zurück oder beauftragt dich gar nicht erst, wenn du nicht eine Money-Back-Guarantee anbietest.
Das gibt's bei uns in der Form nicht so extrem. Dauert alles zwar lange und jedes Risiko wird durchdiskutiert, aber dann zieht man in der Regel so einen Vertrag auch durch - ohne Zurück.
Für mich persönlich ist diese Geld-zurück-Kultur der Amis aber kein Problem. Das spornt mich nur umso mehr an, einen geilen Service zu liefern. Angesprochen wollte ich es dennoch haben.
USA: Die besten Tools & laxer Datenschutz
Bevor dieses Update wieder ausartet, ein letzter Punkt noch... weißt du, wie cool es ist, wenn man einfach mal komplett auf die DSGVO scheißen kann und diesbezüglich nichts beachten muss?
Keine Checkboxes in Formularen, keine nervigen Cookie-Banner und Privacy Policy oder Impressum sind auch nicht notwendig. Keine Sau interessiert's wo dein Hoster steht oder wohin deine Daten gesendet werden. Du kannst mit einem Klick eine Telefonnummer bestellen, die sofort einsatzbereit ist. Und Double-Opt-In machst du nur, wenn du das willst.
Richtig fucking geil. Ehrlich.
Man merkt erst, wie absurd diese ganzer DSGVO-Mist ist, wenn man ihn mal nicht mehr umsetzen muss.
Und weißt du, was mir zuletzt bei der Kundenarbeit aufgefallen ist, was ich so eigentlich gar nicht wirklich am Schirm hatte?
Als US-Kunde sind die besten Tools am Markt perfekt auf dich zugeschnitten. Du kannst jedes Feature uneingeschränkt so nutzen, wie es gedacht wurde... weil du der ICP bist.
Vielleicht ist das nur ein persönliches Problem, aber jedes Mal wenn ich nach den besten Tools für einzelne Tasks oder Projekte recherchiere, landet man bei einem US-Anbieter. Und ohne Witz... es gibt immer irgendwas, wofür man einen Workaround braucht, nur damit es auch halbwegs im DACH-Raum oder der EU nutzen kann.
Am häufigsten: Mangelhafte Rechnungserstellung, Schaßzettel-Receipts für Käufe (I talk about you Kajabi...) oder Reverse Charge funktioniert nicht (Hallo, GoHighlevel), oder du musst dir mühselig irgendwelche Double-Opt-In Automations bauen, weils out-of-the-box nicht drinnen ist oder scheiße gelöst (jedes Email-Tool ever). Und wirklich 100% DSGVO-konform ist in Wahrheit eh keines dieser Tools, auch wenn sie das gerne von sich behaupten.
Wirklich lästig.
Das ist mMn auch der einzige Grund warum es so deutsche Alternativlösungen gibt. Sind zwar alle same deutlich schlechter, aber hey, dafür 100% DSGVO-konform und gehostet in Österreich oder Deutschland. Achja und viel teurer für deutlich weniger Leistung. Yay.
Dass hier Reseller wie CopeCart oder Digistore24 boomen ist für mich die Spitze der Absurdität. Mit allen Gebühren bis zu 10% des Umsatzes abdrücken, nur damit man sich bloß nicht um den ganzen Rechnungs- und Steuerdschungel kümmern muss.... Gratuliere, ein Hoch auf die EU...
Fazit
Das soll bei Gott kein reiner Lobgesang auf die USA sein. Übern Teich laufen die Dinge auch in vielerlei Hinsicht komplett falsch. Aber was Business und Marketing betrifft... das können die wirklich viel, viel besser als wir und ein Unternehmen zu führen ist dort so viel einfacher. Ein echtes Business & Marketing Schlaraffenland.
