Stefan Zangerle

Mehr Marge als ein kolumbianisches Kartell

Ich bin überzeugt: Mit einer Agentur machst du mehr Profitmarge als mit den meisten „skalierbaren“ Online-Businesses. 2025 habe ich genau das ausprobiert. Mit Kursen, Memberships und Low-Ticket-Strategien. Was nach passivem Einkommen klang, endete in lächerlichen Stundensätzen.

Stefan Zangerle
5 Min. Lesezeit
Mehr Marge als ein kolumbianisches Kartell

Ich bin davon überzeugt: mit einer Agentur machst du mehr Profit Marge als ein kolumbianisches Kartell, das weltweit "exportiert". Und das ist jetzt nicht nur eine depperte Behauptung, ich kann dir auch wirklich anhand meiner Zahlen und meiner Erfahrungen begründen. Aber dazu muss ich ein bisserl ausholen...

Agentur vs. digitale Produkte

Wenn du schon länger meinen Newsletter bekommst, hast du vielleicht mitbekommen, dass ich 2025 dezidiert dem Experimentieren mit verschiedenen Geschäftsmodellen verschrieben habe und meine Social Recruiting Agentur REKUNO temporär de facto keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt habe.

Ich hab's mit Online Kursen, Memberships und Communitys probiert - in meiner naiven Vorstellung das einzige Business Model, das noch mehr Geld scheißt als eine Agentur und ein easy money glitch sein müsste.

Verblendet von der Illusion des "passiven" Geldverdienens habe ich das ganze Experiment von Tag 1 weg "at scale" gedacht. Der DACH-Markt war mir dafür zu klein, zu nischig und zu hochpreisig. Ich wollte es eher den großen Playern aus den USA gleichmachen und mit einer Low-Ticket Strategie richtige Massen erreichen & global etwas bewegen.

[In Retroperspektive hätte ich eigentlich wissen müssen, dass das von Anfang an eine blöde Idee war... weil immer wenn ein Österreicher die ganze Welt erobern will, geht das in der Regel ganz, ganz schlecht aus...]

Naja... jedenfalls hat's am Anfang noch relativ gut ausgeschaut. Ich habe bis zu 300 EUR pro Tag in Ads geballert und dabei Leads en masse generiert, mir hat's meine E-Mail Liste gesprengt und mein unkonventionelles Messaging hat extrem mit meiner Zielgruppe resoniert.

Das einzige Problem: meine Audience war komplett broke oder absolute Beginner.

Im DACH-Raum hab ich davor immer mit gestandenen Unternehmern, Agenturinhaber, gut-verdienenden Freelancern/Coaches etc. zu tun gehabt - so Leute wie dich halt.

Dir muss ich nicht erklären, was ein Funnel ist oder warum Ads funktionieren und wenn du schnell was wissen/lernen willst, gibst du halt mal ein paar hundert EUR aus - no big deal, oder?

Um's kurz zu fassen: Ich habe es nie geschafft einen Match zwischen Audience, Angebot, Preis und meiner Expertise zu finden - egal in welcher Form ich es auch versucht habe.

Das Angebot, wo ich wirklich hätte helfen könnte, war den meisten zu fortgeschritten. Das Angebot, das meine Audience gewollt hätten, war mir auf Dauer zu Anfänger-lastig und mühsam.

Was noch am ehesten funktioniert hat, war meine Community. Dort konnte man gratis rein und es gab eine Premium Variante für $49/Monat mit Kursen, Calls und allem, was halt so dazugehört.

Die war zwar am Ende auch profitabel und in der Theorie das ideale Vehikel um ein zusätzliches passives Einkommen zu erreichen. Aber da wäre dann eben das Thema mit der Marge... und der Grund für diese E-Mail.

Margen, die sich illegal anfühlen

Bei allen digitalen Produkten ist die Marge prinzipiell 100% - da gibt's je keine Grenzkosten oder variable Kosten. De facto hast du aber schon Kosten- und Zeitaufwand, um diese Produkte zu erstellen und zu vertreiben. Weil irgendwo müssen ja die Käufer herkommen. Insbesondere dann, wenn du nicht selbst ein Influencer mit Millionen Followern bist. Also Zeitaufwand für organische Channels oder Kosten für paid Channels.

Nachdem ich dann Ende 2025 gemerkt habe, dass ich unfassbar viel Zeit in meine Community versumpfe und natürlich auch zigtausend EUR für Ads rausgeballert habe, wollte ich mal ein Zwischenfazit ziehen und habe eine simple Stundensatzkalkulation auf den Gewinn gemacht.

[Bitte nicht auf den Umsatz schauen - Gewinn ist das einzige was zählt, Freunde...]

Und diese Rechnung war wirklich fucking frustrierend...
Weißt du, was mein Stundensatz für die Community war?

2,50 EUR.
Das ist so lächerlich wenig, dass es wirklich verdammt lustig ist.

Bitte stell's dir mal kurz bildlich vor... Ich habe da hunderte Leute in meiner Community, beantworte Fragen zu Ads, Funnels und Co., gebe Tipps und Ratschläge, liefere Templates und Strategien. Also Mehrwert ohne Ende & spiele den erleuchteten Ober-Guru. Und bekomme dafür heiße 2,50 EUR die Stunde.

Da würde ich mehr verdienen, wenn ich die Heisln* am Hauptbahnhof putzen gehe. *österreichisch: WC

Ich hab's dann mit meinen zwei anderen Stundensätze berglichen, nämlich dem von meiner Agentur und dem vom meinem Perspective Funnel Building Service für andere Agenturen.

Und sind wir uns ehrlich, du brauchst jetzt kein Prophet sein, um zu erahnen, dass es dort deutlich besser ausschaut...

Stundsatz Funnel Building: 250 EUR
Stundensatz Agentur: 500 - 1.000 EUR

Ja, ja, ja, du glaubst mir das jetzt vielleicht nicht und callst Bullshit... ehrlich, die Skepsis kann ich in dem Fall sogar wirklich nachvollziehen. Aber diese Zahlen echt und werden vor allem von zwei Dingen so in die Höhe getrieben:

Starke Marge & geringer Zeitaufwand.

Beim Funnel Building verlange ich 1.000 EUR pro Funnel. Ich brauche dafür max. 4 Stunden. Das Geschäftsmodell ist reines Zeit gegen Geld, Kosten für Perspective und Co. trägt mein Agentur - also 100% Marge. Mir macht's Spaß, ich lerne was dabei und kann meine Expertise extrem gezielt & gebündelt einsetzen. Kann man also mal machen, oder?

Noch rosiger ist aber die Agentur. Wie kommt's da zu so "absurd" hohen Stundensätzen? Selbe Formel wie oben. Marge & Zeitaufwand.

Mit dem kleinen Twist, dass ich in der Agentur größere Hebeleffekte habe.

Mitarbeiter, die Arbeiten für mich erledigen. Systeme, die verlässlich neue Kunden und neue Aufträge bringen. Ein Fulfillment-Prozess, der bis aufs kleinste Detail extrem effizient gestaltet ist. Mein Zeitaufwand beschränkt sich also auf das absolute Minimum.

Und auf der anderen Seite haben wir in der Agentur dann eben eine fast gottlose Marge von 70%. Das Endergebnis eines 3-jährigen persönlichen Kreuzzuges gegen unnötige Ausgaben, rigoroses Vermeiden von Fixkosten und permantes Schrauben am Angebot, um unterm Strich noch mehr Gewinn aus dem Umsatz rauszuholen.

Summa summarum ist in der Agentur also alles so durchoptimiert und so produktisiert, dass mir langweilig geworden ist und ich meinen 1.000 EUR Stundensatz auf der Suche nach einem noch besseren Geschätfsmodell lieber gegen einen 2,50 EUR Stundensatz getauscht habe.

Echt komplett gestört... aber auf der anderen Seite ist das Gras bekanntlich immer grüner, oder?

Ach ja, und wenn du dich nach all dem Palavern fragst, welche Profit Margin jetzt so ein durchschnittliches, kolumbianisches Drogenkartell hat: laut diesem Artikel sind's circa 30% und ChatGPT meint, es sind bei den richtig großen Kartellen ca. 65%.

Wir können also froh sein, dass die Pablo Escobars dieser Welt sich lieber dieses schmutzige, illegale Business für diese mickrige Marge antun, während wir mit unseren Agenturen absolut legal 70% Nettogewinn und mehr machen können.

Wobei... on a second thought, einen Vorteil hat das Kartell-Geschäftsmodell schon:
Die Gewinne müssen nicht versteuert werden. Das müssen wir leider schon.

Allerdings auch nur, wenn wir im DACH-Raum wohnen. Ansonsten gäbe es bekanntlich schon Möglichkeiten, wie man auch die Gewinne der Agentur völlig legal & komplett steuerfrei auszahlen kann. Stichwort: Dubai, USA LLCs + Territorialprinzip im Steuerrecht, Perpetual Travelers / Staatenlos und Co. An und für sich auch ein spannendes Thema, aber donn eher eine Geschichte für ein anderes Mal...

PS:
Das war der Kick-off für meinen neuen, deutschsprachigen Newsletter. Ich werde jetzt ca. 1-2 mal pro Woche mit geistigen Ergüssen dieser Art in deiner Inbox landen.

Ich habe damit jetzt noch kein konkretes Ziel, aber ich glaube so ein Newsletter wie dieser ist auf jeden Fall eine Bereichung im Vergleich zu all den deutschsprachigen Vollhonk-Gurus mit ihrer generischen Chat-GPT-Copy und LinkedIn Posts, wo einem beim Lesen das Speiben kommt...